Technischer Leitfaden für Malerarbeiten: DIN 18363, Deckkraft und Schichtaufbau
Eine präzise Farbbedarfsermittlung verhindert zwei der häufigsten Probleme beim Renovieren: Entweder geht die Farbe kurz vor Vollendung des zweiten Anstrichs aus (was zu sichtbaren Farbansätzen nach dem Nachtönen führt), oder es werden teure Resteimer gekauft, die jahrelang im Keller eintrocknen. Die technischen Richtlinien für Beschichtungsarbeiten sind in der DIN 18363 (Maler- und Lackierarbeiten) und der DIN EN 13300 geregelt.
1. Vergleich der Farbfamilien und Bindemittelarten
Die Wahl des Bindemittels entscheidet über Raumklima, Scheuerbeständigkeit und Haltbarkeit :
1. Dispersionsfarbe auf Wasserbasis
Der Standard für alle Wohnräume und Decken. Lösemittelfrei, geruchsarm, emissionsarm (Blauer Engel) und diffusionsoffen (lässt Wände atmen). Trocknet rasch und ist bereits nach 4 bis 6 Stunden überstreichbar. Werkzeuge lassen sich einfach mit warmem Wasser reinigen.
2. Latexfarbe & PU-Acryllacke
Bildet einen extrem zähen, abriebfesten Film (Nassabriebklasse 1 nach DIN EN 13300). Hält stärkster Beanspruchung, Spritzwasser und Scheuern mit Reinigungsmitteln stand. Ideal für Treppenhäuser, Schmutzzonen, Sockelbereiche und feuchtigkeitsbeanspruchte Wände.
3. Tiefgrund / Grundierung
Dringt tief in saugende Untergründe (Gipskarton, Spachtelstellen, Neuputz) ein und verfestigt sandende Oberflächen. Verhindert das ungleichmäßige Wegschlagen des Anmachwassers der Farbe und beugt fleckigen, unregelmäßig glänzenden Anstrichen vor.
2. Technische Tabelle der Glanzgrade nach DIN EN 13300
Der Glanzgrad bestimmt die Lichtreflexion und die Empfindlichkeit gegenüber Streiflicht :
| Glanzgrad | Reflexion (60° Winkel) | Nassabriebklasse | Fehlerkaschierung | Empfohlene Räume |
|---|---|---|---|---|
| Stumpfmatt (Standard Decke) Anti-Reflex | < 5% (Kein Glanz) | Klasse 3 (waschbeständig) | Hervorragend (schluckt Streiflicht, kaschiert Putzdellen) | Decken in allen Räumen, Schlafzimmer und Wohnzimmer. |
| Seidenmatt (Samtig) Beliebteste Wahl | 5% bis 15% (Dezenter Schimmer) | Klasse 2 (scheuerbeständig) | Gut (edles Erscheinungsbild ohne grelle Spiegelung) | Wohnbereiche, Kinderzimmer, Esszimmer und Arbeitszimmer. |
| Seidenglänzend Abwaschbar | 15% bis 35% (Sanfter Glanz) | Klasse 1 (hoch scheuerbeständig) | Mäßig (Streiflicht zeigt Unebenheiten im Spachtel) | Küchen, Bäder, Treppenhäuser und Eingangsbereiche. |
| Glänzend / Lack Spiegeloptik | > 60% (Spiegelnder Glanz) | Klasse 1 (vollständig wasserfest) | Keine (erfordert spiegelglatt geschliffenen Untergrund) | Türzargen, Fußleisten, Heizkörper und feuchte Sockel. |
3. Warum Raufasertapeten und Strukturputz 35% bis 40% mehr Farbe verbrauchen
Beim Streichen von Raufaser oder Reibeputz wundern sich viele Heimwerker über den rasanten Farbverbrauch. Die Ursachen sind physikalischer Natur :
- Dreidimensionale Oberflächenvergrößerung : Eine Raufasertapete mit Holzspänen oder ein Strukturputz ist keine ebene Fläche. Durch die unzähligen Erhebungen und Täler vergrößert sich die tatsächliche Abwicklungsfläche um 30% bis 40% gegenüber dem Grundrissmaß.
- Saugverhalten des Papiers : Ungestrichene Raufasertapeten bestehen aus saugfähigem Papier und Holzfasern, die beim Erstanstrich erhebliche Mengen Feuchtigkeit aufsaugen.
- Farbwalzen mit langem Flor : Um die Farbe in alle Vertiefungen zu drücken, ist eine Langflorwalze (18 bis 22 mm Flor) erforderlich. Diese Walzen nehmen mehr Farbe auf und tragen einen dickeren Nassfilm auf als glatte Lackierwalzen.
4. Die 4 häufigsten Fehler, die zu Streifen und Rollspuren führen
Ein streifenfreies Ergebnis bei Streiflicht gelingt nur mit der richtigen handwerklichen Technik :
Nicht "nass-in-nass" beschneiden
Wer alle Kanten, Sockelleisten und Steckdosen im ganzen Raum mit dem Pinsel vorstreicht und antrocknen lässt, erzeugt den gefürchteten "Bilderrahmen-Effekt". Der spätere Walzenauftrag überdeckt die angetrocknete Farbe und hinterlässt sichtbare Übergänge.
Profi-Tipp: Immer nur eine Wandseite beschneiden und sofort mit der Farbwalze nass-in-nass nachrollen.Die Farbwalze zu stark an die Wand pressen
Wenn die Walze fast trocken ist und mit Gewalt gegen den Putz gedrückt wird, quetscht sich an den Walzenkanten die Farbe heraus und hinterlässt scharfkantige Streifenwülste.
Profi-Tipp: Regelmäßig Farbe aufnehmen, auf dem Abstreifgitter verteilen und mit leichtem, gleichmäßigem Druck abrollen.Falsche Viskosität (zu dicke Farbe bei warmer Witterung)
Frisch geöffnete Wandfarbe ist oft thixotrop und dickflüssig eingestellt. Bei Raumtemperaturen über 20°C zieht die Farbe zu schnell an, bevor sie sich glattziehen kann (Orangenhaut-Effekt).
Profi-Tipp: Den ersten Anstrich mit ca. 5% bis 10% sauberem Wasser verdünnen und mit dem Rührstab gründlich homogenisieren.Falsche Florlänge der Malerwalze
Eine Langflorwalze auf glattem Gipskarton hinterlässt eine unschöne, raue Struktur. Eine kurzflorige Walze auf Raufaser erreicht die Vertiefungen nicht und hinterlässt weiße Fehlstellen.
Profi-Tipp: Kurzflor (9–12 mm) für glatte Wände; gepolsterte Langflorwalze (18–22 mm) für Raufaser und Strukturputz.5. Häufig gestellte Fragen zur Farbberechnung (FAQ)
Auf einer glatten, grundierten Wand deckt 1 Liter hochwertige Dispersionsfarbe ca. 10 bis 12 m² pro Anstrich ab. Auf saugenden Untergründen, Raufasertapeten oder Strukturputz sinkt die Ergiebigkeit auf 6 bis 8 m² pro Liter.
Für einen Standardraum mit 12 m² Bodenfläche (ca. 4 × 3 m bei 2,5 m Raumhöhe) fallen nach Abzug von Tür und Fenster etwa 35 m² Wandfläche und 12 m² Decke an. Bei 2 Anstrichen benötigt man ca. 7 bis 8 Liter Wandfarbe (1 Eimer à 10 L) und ca. 2,5 bis 3 Liter Deckenweiß (1 Eimer à 5 L).
Tiefgrund ist unverzichtbar bei stark saugenden, sandenden oder ungleichmäßigen Untergründen wie neuen Gipskartonplatten (Rigips), frischem Gips- oder Zementputz. Er bindet Staub und verhindert, dass der Untergrund dem Anstrich das Bindemittel entzieht.
Matte Wandfarbe schluckt das Licht, kaschiert Unebenheiten hervorragend und eignet sich perfekt für Decken und Wohnräume. Seidenmatte Farbe reflektiert sanft, besitzt eine dichtere Oberfläche (Nassabriebklasse 1) und ist deutlich scheuer- und abwaschbeständiger (ideal für Küchen, Flure und Bäder).
Bei normaler Raumtemperatur (ca. 20°C) sollte eine Trocknungszeit von mindestens 4 bis 6 Stunden eingehalten werden. Auch wenn die Farbe nach 30 Minuten staubtrocken scheint, muss das Bindemittel durchhärten, um beim zweiten Rollen nicht aufgerissen zu werden.
Die Holzspäne erzeugen ein dreidimensionales Relief, das die wirksame Oberfläche um 30% bis 40% vergrößert. Zudem saugen Raufasertapeten stark, und es muss eine Langflorwalze verwendet werden, die mehr Material pro Quadratmeter aufträgt.